Dialoggruppe 3: “Selbstbestimmtes Lernen in der Schule.”
Unser Anliegen und Ziel:
Bildung hat seinen Reiz für den Großteil der Jugendlichen verloren. Ferner schwindet das gesellschaftliche und politische Engagement. Diese beiden Faktoren sind eng miteinander verbunden. Wir wollen Schulen eine Gebrauchsanweisung zu geben, wie sie ihre Schüler für Lerninhalte begeistern können. Schule soll ein Ort des Lernens, aber auch der persönlichen Entfaltung werden. Chancengleichheit zu schaffen und Jugendliche für gesellschaftliche und politische Themen zu interessieren ist ein weiteres Ziel dieses Projekts. Wenn jetzt gehandelt wird kann die Zukunft des Lernens rosig aussehen, so wie in diesem Zeitungsartikel aus der Zukunft:
Zeitungsartikel der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung vom 14. September 2020: “Alle Jahre wieder”
Am heutigen Montagmorgen beginnt wieder der Alltag für alle Schulkinder. Doch die wenigsten gehen mit Tränen oder Bauchschmerzen hin. Im Gegenteil: Schülerinnen wie Schüler gehen wieder gerne zur Schule und auch die Ergebnisse belegen diesen positiven Trend: Nachdem die PISA-Studien der Jahre 2003, 2006, 2009 und zuletzt 2012 das deutsche Bildungssystem erschütterten, konnte sich Deutschland im Jahre 2020 an den Spitzenplatz aller OECD-Länder katapultieren. Was ist passiert?
Nach dem ersten PISA-Schock räumten alle Bildungsministerien gewaltig auf: die Unterrichtsmethoden wurden verändert, die 45-Minuten-Schulstunde wich und der Ganztagsunterricht wurde ausgeweitet. Nichts blieb unangetastet. “Wir haben uns erfolgreich für eine neue Schule eingesetzt. Wir blicken heute auf Schulen, die die Humboldtsche, unvergängliche Bildung in moderne Kontexte integriert hat”, freut sich Angelika Schieler, NRW-Bildungsministerin. “Einen großen Anteil -so haben Studien gezeigt- hatten dabei auch die großartigen Finanzspritzen aus der Wirtschaft, denn das Geld war bitter nötig.”
Dass Schule mehr sein kann als ein Ort des Lernens und Lehrens kann jede beliebige Schule in Nordrhein-Westfalen zeigen: Man begegnet offenen, engagierten und verantwortungsvollen Schülerinnen und Schülern, die Selbstständigkeit derartig verinnerlicht haben, dass sie lieber in Gruppen arbeiten, als sich von ihrem Lehrer etwas zu erzählen zu lassen. “Zum Glück sind Lehrer heute nur noch Partner, die uns zur Seite stehen, wenn es Probleme gibt”, schwärmt Xenia (12), Schülerin an der Ingeborg-Bachmann-Realschule in Bochum, und fügt grinsend hinzu, “auf manchen Lehrervortrag hätte ich auch gar keine Lust.”
Die Freiheiten, die Schulen 2014 durch das neue Schulgesetz erhielten, boten die Möglichkeiten für völlige Umstruktierungen. Als Baustein für die Standardsicherung blieben Abschlussprüfungen, das Zentralabitur und die Schulinspektion. Allerdings wurden die sogenannten Expertengremien durch aktive Lehrerinnen und Lehrer ergänzt, die Vorgaben und Lehrpläne wurden entsprechend angepasst, so dass verschiedene, zeitgerechte Lernformen sowie die Bewältigung des Lernstoffes in adäquatem Umfang möglich waren. Diese Schlüsse, die man aus den Fehlern der ersten Jahren des Zentralabiturs gezogen hatte, können auch als erfolgreicher Teil der positiven Schulentwicklung betrachtet werden.
Angelika Schieler kann vollkommen zufrieden sein, denn sie hat die mit Sicherheit entspannteste Amtsperiode, die je ein/e Schulminister/in hatte. Sie hat alle Probleme in den Griff bekommen: Der demografische Wandel wurde als Chance für kleinere Klassen genutzt, Bildung bekam selbst bei klauen Landeshaushalten einen Löwenanteil und auch die Möglichkeit der Schulen für Sponsoring waren Erfolge, die sie für sich verbuchen kann. “Für Schülerinnen und Schüler klingt jetzt nicht nur zu Weihnachten die freudige Melodie ‘Alle Jahre wieder’ – auch zum Schulanfang”, strahlt sie jetzt. Sie hat schließlich auch allen Grund dazu.